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Aktivitäten 2006

Vogelgrippe stoppt Zwerggans-Projekt

Nach mehrjähriger Vorbereitung war das Projekt zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Zwerggans endlich startklar: Im Mai sollten die ersten Küken schlüpfen, für August war die Reise der von Ultraleichtflugzeugen angeführten Zwerggänse von Schweden an den Niederrhein geplant. Wegen des Auftretens der Vogelgrippe in Europa wurde das Projekt nun vorläufig gestoppt.

Zwerggans
Trotz zahlreicher Schutzmaßnahmen ist die Zwerggans in Skandinavien vom Aussterben bedroht. Von ehemals über 10.000 Gänsen sind inzwischen nur noch etwa 10 - 15 Brutpaare übrig geblieben. Grund für diesen Rückgang ist die Jagd, der die Zwerggänse auf ihren Flügen aus den nordeuropäischen Brutregionen in die Überwinterungsgebiete in Osteuropa teilweise ausgesetzt sind.

Zwerggans-Projekt
Seit über fünf Jahren laufen die Vorbereitungen zu einem ehrgeizigen Projekt zur Rettung der Zwerggans: Mit Hilfe von Ultraleichtflugzeugen soll jungen Zwerggänsen eine ehemalige, heute weitgehend sichere Zugroute von ihrem Sommerquartier in ein Überwinterungsgebiet am Niederrhein gezeigt werden. Dabei nutzt man die Besonderheit, dass, anders als bei Singvögeln, die Zugroute bei Gänsen nicht angeboren ist. Gänse lernen den Weg in das Winterquartier auf ihrem ersten Flug mit den Eltern.

In diese "Elternrolle" schlüpfen die Piloten der Ultraleichtflugzeuge und zeigen den jungen Gänsen den Weg aus dem nordschwedischen Lappland bis auf die Bislicher Insel am Niederrhein. Dort werden die Gänse dann ausgewildert und fliegen im nächsten Frühjahr wieder selbständig zurück in ihr Brutgebiet nach Lappland. Mit dieser Methode könnte innerhalb eines überschaubaren Zeitraums das Aussterben der skandinavischen Zwerggänse abgewendet werden.

Vorbereitungen abgeschlossen
Nach intensiven Vorbereitungen standen zu Beginn dieses Jahres alle Signale auf Grün: Sämtliche Genehmigungen waren erteilt und die Ultraleichtflugzeuge bestellt. Die Piloten und Betreuer hatten ihre Urlaube eingereicht und sich freistellen lassen um ab Mai die "Elternrolle" für die jungen Zwerggänse zu übernehmen. Die für August vorgesehene Reise von Lappland an den Niederrhein sollte von einem Kamerateam begleitet werden, die ARD plante Live-Übertragungen und Reportagen.

Vogelgrippe
Mit dem Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland und anderen europäischen Ländern haben sich die Rahmenbedingungen für die Durchführung des Projektes grundlegend geändert. Die Projektpartner haben die Entwicklung der letzten Wochen aufmerksam verfolgt, zahlreiche Experten befragt und die Konsequenzen für das gemeinsame Vorhaben diskutiert.

Aufzucht und Flug gefährdet
Nach derzeitigem Stand ist die planmäßige Umsetzung des Zwerggans-Projektes durch Maßnahmen, mit denen aktuell und zukünftig eine Ausbreitung der Tierseuche verhindert werden soll, gefährdet und könnte gegebenenfalls unmöglich werden. Sollte etwa für die an dem Projekt beteiligten Zuchtstationen eine Stallpflicht verhängt werden, könnten, da die Gänse nur im Freien brüten, keine jungen Zwerggänse aufgezogen werden.

Große Probleme könnten auch während des Fluges der Ultraleichtflugzeuge und Gänse von Lappland an die Bislicher Insel entstehen. Sollten entlang der geplanten Zugroute Tiere gefunden werden, die mit Vogelgrippe infiziert sind, dürfte in den um die Fundorte eingerichteten Sperr- und Beobachtungszonen voraussichtlich weder gelandet noch gestartet werden. Große Umwege oder gar der vorzeitige Abbruch des Zugs wären die Folge.

Risiko Vogelzug?
Die Ausbreitungs- und Übertragungswege der Tierseuche sind derzeit noch nicht genau bekannt. Ein Großteil der aktuellen Schutzmaßnahmen besteht deshalb darin, potentielle Verbreitungswege zu unterbinden. Dabei stehen auch Zugvögel in Verdacht, zur Ausbreitung der Tierseuche beizutragen. Entsprechende Sorgen der Bevölkerung, von Experten und verantwortlichen Politikern sind mit in die Entscheidung zum weiteren Vorgehen eingeflossen.

Abwarten
Nach ausführlicher Diskussion und sorgfältiger Abwägung aller potentieller Risiken haben die Projektpartner beschlossen, das Projekt in diesem Jahr nicht zu starten und die zukünftige Entwicklung abzuwarten.

Download
Trotz des vorläufigen Stops bleibt Aktion Zwerggans aktiv. Inhaltliche Grundlage für die Umsetzung bleibt der Projektplan, dem Erfahrungen aus den Vorprojekten 1999 und 2002 zu Grunde liegen. Historische Daten belegen übrigens, dass die Zugroute von Nordschweden über Dänemark nach Deutschland früher von Zwerggänsen benutzt wurde.

Projektplan OPERATION FJÄLLGÅS / OPERATION LESSER WHITEFRONT (PDF, 130 KB) (engl.)

Wissenschaftlicher Aufsatz "Feasibility study of a project for the Lesser White-fronted Goose (Anser Erythropus) by creating safe migratory routes and wintering sites" (PDF, 1.9 MB)

 

Polaris gekauft

Zum Start des Pilotprojekts im Januar 2006 hat Aktion Zwerggans zwei Polaris-Trikes gekauft.

 

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Antrag an die DBU

Nachdem das Pilotprojekt im Frühjahr 2006 wegen der Gefahr der Vogelgrippe gestoppt werden musste, ergab sich zusätzlicher Finanzbedarf zur Weiterführung des Projekts. Aktion Zwerggans hat im Herbst einen Antrag zur Kofinanzierung an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gestellt.

 

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Genetische Untersuchungen

In Zusammenarbeit mit Prof. Michael Wink von der Universität Heidelberg ist es gelungen, mit finanzieller Unterstützung durch die Allianz Umweltstiftung, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und das Umweltministerium Schwedens die genetische Eignung der Zuchtgänse aus Schweden, Finnland und Deutschland zu testen. Die Durchführung dieser Tests war eine Voraussetzung für die Genehmigung des Pilotprojekts seitens des schwedischen Umweltministeriums.

 

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Schweden verlängert Genehmigung

Zur Durchführung des Pilotprojekts lag eine Genehmigung des schwedischen Umweltministeriums für 2006/2007 vor. Da das Projekt wegen der Vogelgrippe verschoben werden musste, hat das Ministerium die Genehmigung auf 2007/2008 verlängert.

 

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Erkundungsfahrt Schweden

Im Sommer 2006 hat ein Team der Aktion Zwerggans das vorgesehene Brutgebiet in Lappland erneut besucht, die Logistik weiter vorbereitet und die Kontakte zu den entsprechenden Behörden weiter gepflegt. Ebenfalls in Schweden wurde das Polaris-Trike von den Piloten weiter getestet, insbesondere die Amphibienversion mit Schlauchboot, mit der Wasserlandungen möglich sind.

 

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